Die Gedanken vernebeln sich. Im Kopf macht sich eine Denkblockade breit. Der Restkörper merkt, dass die Zentrale ein Problem hat und beginnt, ihrerseits zu reagieren: Die Pulsfrequenz steigt, die Hände werden feucht, Nervosität, Lampenfieber kommt auf. Wer jetzt versucht, einen klaren Satz zu artikulieren, wird sich höchstwahrscheinlich verhaspeln oder ins Stottern geraten. Schon ist der Blackout perfekt. Was dramatisch klingen mag, ist in erster Linie ärgerlich, aber bestimmt kein Grund zum Verzweifeln. Und kommt im Übrigen ziemlich selten vor. Es ist eher die Angst vor dem eher unwahrscheinlichen Blackout, das Lampenfieber, das die Menschen beschäftigt.

Blackout – was für ein Theater!

Der Begriff „Blackout“ stammt übrigens ursprünglich aus dem Theater: Alle Scheinwerfer gehen aus und der Zuschauer erkennt nicht mehr, was auf der Bühne passiert. Ein gelungener Effekt eines jeden Bühnenwerkes. Was aber im Theater erstrebenswert scheint, ist im echten Leben – speziell bei Präsentationen – das, was der Schwabe als Wurst-Käs’-Szenario benennt: Lampenfieber live, Blackout bedeutet für alle Nicht-Schauspieler und Kein-Bühnentechniker in der Regel einen Totalaussetzer mitten im Vortrag. Abriss des roten Fadens. Peinliche Stille. Was ist in einer solchen Situation zu tun?

Erste Lampenfieber-Hilfe: Weiteratmen.

Und neben dem Pflegen der Vitalfunktionen: keine Panik schieben und Ruhe bewahren! Viele große Redner hatten schon mal einen Blackout. Das ist nur allzu menschlich und macht Sie in keinem Falle zu einem schlechten Vortragenden. Und es gibt ein paar Tricks und Kniffe, auf die Sie sich besinnen können, um eine ungewollte Pause gut zu überbrücken:

  • Wenn Sie mal den Faden verlieren, dauert es in der Regel nur wenige Sekunden, bis Sie ihn wiederfinden. Nutzen Sie diese Pause als rhetorisches Stilmittel: Schauen Sie in die Runde und holen Sie sich damit die Aufmerksamkeit des Publikums. Dabei atmen Sie tief durch und wahrscheinlich wird Ihnen dann wieder einfallen, wie es weitergeht.
  • Sollte Ihnen wider Erwarten nicht dämmern, wie Sie fortfahren wollten: fassen Sie einfach das noch einmal das zusammen, was Sie gerade gesagt haben. Auf diese Weise ordnen Sie Ihre Gedanken. Meistens hilft das dabei, den Vortrag ohne weitere Pausen fortzusetzen.
  • Immer noch keine Idee, wie es weitergehen soll? Involvieren Sie das Publikum! Stellen Sie Fragen zu dem bereits Gesagten. Lassen Sie die Zuhörenden über das sprechen, was ihnen von Ihrem Vortrag in Erinnerung geblieben ist oder lassen Sie das Publikum Fragen stellen.
  • Wenn Sie nun immer noch nicht wissen, was Sie erzählen wollten, dann überspielen Sie die Situation mit Humor und schauen Sie in Ihre Notizen. Klären Sie das Publikum auf, dass Sie gerade gar nicht wissen, wie es weitergeht und dass Hilfe (in Form Ihrer Notizen) schon unterwegs ist.

Der große Zeh als Retter – letzter Tipp

  • Auch mit physischen Tricks kann das Gehirn zum Erinnern animiert werden. Zum Beispiel kann es Wunder wirken, ein paar Schritte auf- und abzugehen. Damit setzt meist der Denkprozess wieder ein. Einen besonderen Tipp, von dem ich nicht weiß, ob er wirklich funktioniert, bekam ich mal von einem Seminarteilnehmer. Er erzählte mir,  dass er im Falle von Rotfadenverlust kräftig seinen großen Zeh zu bewegen. Dieser sei vom Gehirn am weitesten weg und es braucht mehr Impulse, um ihn anzusteuern als für jedes andere Gliedmaß. Durch die bewusste Bewegung des Hallux werden also verschiedene Hirnregionen wieder aktiviert … oder sogar reanimiert. So knipst der große Onkel die zentrale Beleuchtung wieder an.

Sie brauchen also keine Angst vor Lampenfieber oder einem Blackout zu haben. Legen Sie sich einfach Ihren persönlichen Notfallplan zurecht, mit dem Sie dann eventuelle Aussetzer gekonnt überspielen. Und die beste Nachricht habe ich mir für den Schluss aufbewahrt: Schon das Lesen dieses Artikels wird Sie wahrscheinlich vor Blackouts bewahren. Da Sie nun gut auf sie vorbereitet wären und zumindest theoretisch wissen, wie Sie sich im Falle eines Blackouts professionell und souverän verhalten könnten. So sinkt automatisch die Angst vor einem Fadenverlust und ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen erleben werden. Viel Spaß beim Präsentieren und herzliche Grüße an Ihr Unterbewusstsein!

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, empfehle ich Ihnen mein Buch „NEU PRÃSENTIEREN“ – erschienen bei Campus, und hier erhältlich. Oder möchten Sie’s live trainieren? Hier geht es zu unseren Seminaren.