Ein Hoch auf die Gestik.

Ein wohldosierter Körpereinsatz des Referierenden kann für einen Vortrag, eine Rede oder eine Präsentation außerordentlich hilfreich sein. Aussagen lassen sich anhand von Gestik unterstreichen und verstärken, abwägen oder auch verdeutlichen. Richtig eingesetzt, bestätigt sie Ihre Souveränität vor dem Publikum. Aber Sie wissen ja: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ungünstiges Fuchteln sowie auch unbewusste Gesten können das Publikum vom Gesagten ablenken oder – genauso schlimm – den Präsentierenden nervös, unsouverän und vielleicht auch unvorbereitet wirken lassen. Die Chance, dass ein Mitteleuropäer allerdings zu viel mit den Händen fuchtelt, also zu viel Körpersprache spricht, geht nach den Erfahrungen in meinen Seminaren gegen Null.

Die Raute der Macht.

Eine der weltweit wohl bekanntesten und auch meistdiskutierten Gesten ist die Raute von Angela Merkel (in einem anderen Blogartikel schreibe ich über die Theorie, dass sie diese Geste verwendet, um gerade zu stehen und sich in der von Männern dominierten Politik nicht klein zu machen). Eine andere Person des öffentlichen Lebens, die für den ausgeprägten Einsatz von Händen und sogar Füßen bekannt ist, ist der Comedian Mario Barth. Böse könnte man sagen: Rumgefuchtel ist mehr etwas für die Show-Bühne als für jemanden, der eine Rede hält oder eine Präsentation zum Besten gibt.

Sie merken: Auch non-verbale Aktionen haben eine Wirkung auf die Audienz.

Und es gibt einige Gesten, von denen ich Ihnen abraten möchte. Sie wollen vor Ihrem Publikum seriös wirken. Achten Sie deshalb darauf, dass sie Folgendes vermeiden:

Kratzen und Jucken

Vor einigen Monaten hatte ich einen Seminarteilnehmer, der durchaus eloquent war und inhaltlich sehr gut präsentieren konnte. Leider hatte er aber einen Tick: Er kratzte sich permanent hinter dem linken Ohr. Das war so irritierend, dass ich mich nur schwerlich auf den Inhalt seiner eigentlich gelungenen Präsentation konzentrieren konnte.

Achten Sie darauf, sich während einer Präsentation nicht an Ohren und Nase zu zupfen. Einmal sah ich sogar, wie eine Präsentierende beim Vortragen versuchte, etwas aus ihrem Zahnzwischenraum zu entfernen – entschuldigen Sie bitte die Bilder, die manch einer von Ihnen jetzt vielleicht vor seinem inneren Auge haben mag. Ich möchte Ihnen nur verdeutlichen, wie wichtig das Thema ist.

Die Merkel-Raute – auch Gestik.

Wie bereits geschrieben: Die Geste in umstritten und sollte nicht von Nicht-Kanzlerinnen ausgeführt werden. Für Angela Merkel ist sie eine Art Markenzeichen geworden. Wenngleich es bei ihr statisch wirkt, weil sie’s fast immer macht. Kopieren Sie dieses lieber nicht. Ihre Zuhörerinnen und Zuhörer würden das sofort als Nachmacherei deuten oder denken, Sie wüssten nicht wohin mit Ihren Händen.

Hände in den Hosentaschen

Diese Geste ist insbesondere bei Männern häufig zu beobachten. Am schlimmsten ist es, wenn sie einen Schlüssel oder Bonbons in der Tasche finden und anfangen, damit herumzuspielen. Kennen Sie den Ausdruck „Taschenbillard“? Ich hatte während meiner Schulzeit regelmäßig 45 Minuten am Stück das zweifelhafte Vergnügen, meinem Erdkundelehrer dabei zusehen zu können. Seinen Spitznamen „Grabbel-Meier“ muss ich wohl nicht weiter erläutern. Fazit: Hände aus den Taschen bei der Präsentation!

Wanderfinger

Es gibt fast immer etwas, an dem während einer Präsentation herumgespielt werden kann: Sei es ein Ring am Finger, der nervös hin und hergedreht wird, oder eine Uhr, die Krawatte oder eine Kette – all das kann als „Fingermagnet“ dienen. Ehe Sie es sich versehen, fummeln Sie herum, ohne dass Sie es merken. Wanderfingereien vermitteln dem Publikum nicht selten den Eindruck, der Präsentierende sei nervös. Wenn Sie feststellen, dass Sie die Tendenz haben, herumzufummeln, vermeiden Sie am besten derlei „Ablenkungsmaterial“ am Körper.

Tigern oder Rückenansicht

Wenn Sie vor Ihrem Publikum stehen müssen, bleiben Sie am besten auch stehen. Auf- und Abtigern des Referierenden sorgt oft auch in den Zuhörerreihen für Unruhe. Power Point Präsentationen dagegen verleiten nicht selten dazu, sich vom Publikum abzuwenden. Ich habe renommierte Wissenschaftler, Professoren und Journalisten gesehen, die ihrer Zuhörerschaft den Rücken zudrehten und ihre Präsentation ablasen. Machen Sie das nicht. Bleiben sie stattdessen lieber standfest: Die Beine schulterbreit gestellt und den Blick zu Ihrem Publikum.

Verschränkungen

Es gibt verschiedene Arten, die Arme zu verschränken: Über Bauchnabel- oder Brusthöhe und wie Fußballer, die eine Mauer bilden. Alles absolute No-Gos der Körpersprache, wenn Sie nicht wirklich „mauern“ oder Ihre Ablehnung demonstrieren wollen. Den meisten Menschen passiert ihre Gestik – soll heißen: Sie sind sich ihrer nicht bewusst. Zur Selbstkontrolle empfehle ich Ihnen, sich beim Präsentieren oder beim Üben Ihrer Rede einmal zu filmen. Eine andere Möglichkeit ist, eine Person Ihres Vertrauens nach einer Präsentation um ein ehrliches Feedback zu Ihrer Gestik zu bitten. Aber achten Sie immer auf den inhaltlichen Kontext: Es kann nämlich auch sein, dass das Verschränken gar kein Mauern, sondern ein gemütliches Zurückziehen ist. Nach dem Motto: „Ich halte mich jetzt zurück, du bist dran…“ lassen Sie jemanden anderen zu Wort kommen. Wenn hingegen ein Mitarbeiter zum Chef geht, 4000 EUR pro Monat mehr Gehalt verlangt, und der Chef dann die Arme über der Brust verschränkt,….Sie ahnen das, dann hat der Körper wahr gesprochen!  Ich wünsche Ihnen fröhliches Präsentieren!

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, empfehle ich Ihnen mein Buch „NEU PRÃSENTIEREN“ – erschienen bei Campus, und hier erhältlich. Oder möchten Sie’s live trainieren? Hier geht es zu unseren Seminaren.